Heute möchte ich mich auf eine kleine Reise begeben, allerdings nur in Gedanken. Ich schreibe nun bereits einige Jahre, auch wenn die Öffentlichkeit davon nicht viel mitbekommen hat. Natürlich hat sich in dieser langen Zeit manches verändert. Daher möchte ich nun zurückblicken auf die letzten Jahre und ein wenig davon erzählen, wie ich angefangen habe, welchen Weg ich gegangen bin und wo ich heute stehe.

Von pubertären Gedichten zu nachdenklichen Kurztexten

Wer mein heutiges, pragmatisches und ziemlich unromantisches Ich kennt, mag es kaum glauben, aber auch in meinem Leben gab es eine Phase, in der ich schmalzige Gedichte schrieb. Zum Glück war ich klug genug, sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen und in einem lichten Moment zu vernichten. Wobei sie als Dokument dafür dienen könnten, dass man sich durch Übung weiterentwickelt. Aber das weiß ich auch so, daher bin ich froh, dass ihre Existenz restlos ausgelöscht wurde.

Nach meiner Abkehr von den schwülstigen Liebesgedichten schlug ich ins komplette Gegenteil um und schrieb vornehmlich darüber, sie schrecklich grausam und ungerecht die Welt ist und wie sehr ich daran verzweifle. Diese Texte waren schon besser als der grauenvolle Kitsch, den ich zuvor verbrochen hatte, aus meinem heutigen Blickwinkel aber ziemlich plakativ. Ein paar davon hatte ich auf Gedichte-Websites veröffentlicht, mich allerdings vor ein paar Jahren erfolgreich um Löschung bemüht, da ich diesen Texten längst entwachsen war.

Nach einer längeren Pause habe ich diese Form des Schreibens wieder aufgegriffen und einige Texte online veröffentlicht, erst auf den Vorgängerblogs und dann auf dieser Website. Die meisten davon waren ernsthafter Natur, hin und wieder kam aber auch der Quatschkopf in mir durch. Die Resonanz war positiv, dennoch kam ich kürzlich an den Punkt, an dem ich mich mit diesen Texten nicht mehr wohlgefühlt habe. Also ging ich in mich und gelangte zu der Erkenntnis, dass ich mich künftig ganz dem erzählenden Schreiben widmen möchte. Wie so oft, wenn sich bei mir etwas verändert, schlug sich das auch in einer Umgestaltung meiner Website nieder. Die „Kleinen Lektüresnacks“ mussten weichen, die Startseite bekam eine neue Struktur und die Kategorien erhielten neue Namen. Mir ist es wichtig, dass mein virtuelles zu mir passt und mich so zeigt, wie ich bin

Die fantastische Welt der Schreibrollenspiele

Dass man online zusammen mit anderen eine Geschichte schreiben kann, habe ich mehr oder minder durch Zufall entdeckt. Meine ersten Gehversuche machte ich auf einem chatbasierten Rollenspielserver aus dem „Legend of the Green Dragon“-Universum. Anfangs tat ich mich schwer, mich in das gemeinsame Schreiben einzufinden, dann klappte es aber recht gut. Leider schloss der Server nach einiger Zeit, und ich machte mich auf die Suche nach Alternativen. Diese fand ich in verschiedenen Foren, die allesamt in mittelalterlichen Welten angesiedelt waren. Im Lauf der Jahre habe ich die verschiedensten Charaktere gespielt, unter anderem einen Räuberhauptmann, eine blinde Bardin und eine eiskalte Betrügerin.

Für diejenigen, die keine Ahnung haben, wovon ich gerade rede, möchte ich es kurz erklären: Bei einem Schreibrollenspiel, aufgrund der verbreitetsten Form auch als Forenrollenspiel bekannt, erschafft jeder Spieler seinen eigenen Charakter. Die Teilnehmer schreiben abwechselnd die Handlungen ihrer Figur, wobei es wichtig ist, dem anderen genug Spielraum zu lassen, um zu reagieren. Durch das Zusammenspiel mehrerer Personen entsteht so eine Geschichte, die nicht zwingend zu einem Ende kommen muss.

Diese Form des Schreibens schätze ich nach wie vor sehr. Daher habe ich ein Lothrexna-Chroniken gegründet und schreibe dort mit einer sehr lieben und einfallsreichen Autorin über das Leben in einer fiktiven Großstadt der Gegenwart.

Vom ersten Romanversuch über einen Richtungswechsel zu meinem aktuellen Projekt

Der Gedanke, mich an meinem Roman zu versuchen, kam immer mal wieder auf, allerdings habe ich ihn lange nicht in die Tat umgesetzt. Mir mangelte es an Selbstvertrauen und dem Glauben an meine erzählerischen Fähigkeiten. Irgendwann habe ich es aber doch gewagt und mich einem vertrauten Stoff gewidmet: der Artussage. Allerdings wollte ich nicht die Geschichte des Königs, sondern die seines Sohnes Mordred erzählen. So entstand mit „Die Pendragon-Ära“ eine kleine Trilogie, die für einige Monate kostenlos als Blogroman sowie als kostenloses E-Book via Bookrix zu lesen war. Inzwischen habe ich ihn wieder herausgenommen. Das positive Feedback, das nicht nur von Bekannten, sondern auch von Fremden kam, hat mich darin bestärkt, weiterzumachen. Zugleich war mein erster Roman aber nur ein Lehrlingsstück. Vor allem aber war er ein Abschied vom mittelalterlichen Setting, das bisher den Hintergrund für meine Geschichten bildete. Der Fantasy bleibe ich treu, ich möchte sie aber in einer eigenen Welt ansiedeln, die moderne, rückständige und vielleicht sogar futuristische sowie realistische und magische Elemente miteinander verknüpft. Nachdem ich für mich erkannt hatte, dass ich einen solchen Richtungswechsel vollziehen möchte, wollte ich einen kompletten Neuanfang.

Dennoch war jeder einzelne Text, den ich geschrieben und wieder gelöscht habe, wichtig für mich, selbst die dilettantischen Gedichte, die mir rückblickend die Schamesröte ins Gesicht treiben. Sie haben mich geprägt und auf unterschiedliche Weise weitergebracht. Manches schrieb ich zum Vergnügen, anderes zur Verarbeitung oder um meine Gedanken mit der Welt zu teilen. Sie alle waren, egal wie naiv und dilettantisch einige von ihnen gewesen sein mögen, wichtige Schritte auf meinem Weg als Autorin.

Vom gelegentlichen zum regelmäßigen Schreiben

Inzwischen ist meine Einstellung zum Schreiben eine andere geworden. Ich gehe mit einem deutlich höheren Anspruch an mich und meine Texte heran. Statt drauflos zu schreiben und zu hoffen, dass etwas Vernünftiges dabei herauskommt, habe ich mich viel mit dem Handwerk beschäftigt und mich mit dem Thema Plotten auseinandergesetzt. Ich bleibe zwar flexibel, erstelle mir aber einen groben Fahrplan, sodass ich mich nicht mehr in meiner eigenen Geschichte verlaufen kann, ohne zu wissen, wo ich eigentlich hin will. Statt mit mehreren Worddateien arbeite ich nun mit einer Autorensoftware, die es mir erleichtert, den Überblick zu behalten und Planung, Erzähltext, Anmerkungen, Ideen. Figuren und Schauplätze übersichtlich in einer Projektdatei vereint. Ich bin bereit, Geld für Dinge auszugeben, die mich weiterbringen und bei der Planung und Umsetzung meiner Geschichten unterstützen. Das Schreiben ist und bleibt ein Hobby, aber eines, das ich inzwischen ernsthafter angehe. Dennoch sind auch die Lothrexna-Chroniken nicht für den Buchmarkt bestimmt. Ich fühle mich fernab davon ganz wohl und möchte dort auch bleiben, habe aber vor, das fertige Werk hier und auf Lothrexna.de digital und gedruckt zu vertreiben. Ich spare für ein Lektorat, Korrektorat und das Coverdesign und verzichte dafür auf andere Dinge.

Allgemein würde ich sagen, dass mir das Schreiben in den letzten Monaten viel wichtiger geworden ist. Noch vor einem Jahr hätte ich vermutlich die Arbeit gescheut, die dahintersteckt, eine ganze Welt zu erschaffen. Nun gehe ich das mit großer Freude und Leidenschaft an und habe eine umfangreiche Weltenbau-Datei und jede Menge Ideen. Und ich arbeite viel disziplinierter. Früher habe ich an manchen Tagen relativ viel, an anderen gar nichts geschrieben und darauf gewartet, dass meine Muse endlich den Hintern hochbekommt und mich abknutscht. Heute weiß ich, dass Routine die Kreativität nicht hemmt, sondern befruchtet. Wenn es mal mit meinem ersten Lothrexna-Roman nicht weitergeht, schreibe ich etwas anderes. Hauptsache, meine Fantasie rostet nicht ein.

Es hat sich also viel verändert, und das wird es hoffentlich weiterhin tun, denn ich möchte wachsen, lernen, besser werden und euch irgendwann dann ein richtig gutes Buch präsentieren. Vielen Dank an alle, die mich bis hierhin begleitet haben und in Zukunft begleiten werden!