Dass man täglich schreiben solle, habe ich gefühlte tausend Mal gelesen, es aber nie umgesetzt. Ich bin nämlich kein Fan von Verpflichtungen, zumindest nicht, was meine Freizeit angeht. Schreiben ist mein liebstes Hobby, und dabei soll ich mich unter Druck setzen? Nein, Freunde, nicht mit mir. Wenn ich muss, wird das sowieso nichts. Das habe ich lange gedacht und mich daher konsequent der Umsetzung dieses Ratschlags verweigert, und das obwohl Konsequenz nicht gerade zu meinen prägendsten Eigenschaften gehört.

Kreativität lässt sich trainieren

Glaubst Du nicht? Ging mir auch so! Dann habe ich nachgedacht. Bei welcher Form des Schreibens fällt mir fast immer etwas ein? Beim Rollenspiel! Das liegt zu einem großen Teil an den Impulsen, die aus den Beiträgen meiner bezaubernden Mitschreiberin entstehen, aber nicht nur. Auch die Regelmäßigkeit spielt eine gewisse Rolle. Meist schreibe ich alle paar Tage weiter. Je länger die Pause ist, umso schwerer fällt es mir, wieder in die Geschichte und in die Seele meiner Charaktere zu finden. Meine Kreativität scheint träge zu werden, wenn ich sie für längere Zeit nicht beanspruche.

Obwohl ich es liebe zu schreiben, kann ich nicht gerade von mir behaupten, dass ich vor Ideen übersprudeln würde, und habe ich einen vagen Ansatz, fällt es mir oft schwer, etwas dazu zu Papier zu bringen. Dabei bin ich eigentlich eine Drauflosschreiberin, die nicht lange plottet, sondern sich überraschen lässt, welche Geschichte aus ihren Fingern fließt. Nur floss da in letzter Zeit eher wenig. Also habe ich es mit dem täglichen Schreiben versucht, zumindest fast. Wenn ich einen Ausflug oder eine Reise mache und abends völlig kaputt nach Hause komme oder vor lauter Erledigungen kaum Zeit finde, mache ich einen Tag Pause, ansonsten schreibe ich, manchmal zwei bis drei Seiten, manchmal eine, manchmal auch nur wenige Sätze. Rollenspielposts und Blogbeiträge zähle ich dabei mit zu meiner täglichen Schreibroutine – verfasse ich keines von beidem, versuche ich mich an einer Schreibübung oder der Fortsetzung einer angefangenen Geschichte. Mein Notizbuch wird voller, mein Vorrat an Tintenpatronen kleiner.

Dabei arbeite ich nicht an einem bestimmten Projekt, sondern versuche mich an Schreibübungen aus einem Buch. Meist sind Bilder oder Stichworte vorgegeben, zu denen eine Geschichte entstehen soll. Und ich mache jede Aufgabe, selbst wenn ich sie auf den ersten Blick doof finde. Ich muss sie ja nicht genauso umsetzen, wie es angegeben ist. Alles sieht nach Heimatidylle aus? Ich durchbreche sie mit einem Mord an der eigenen Schwester. Hauptsache, ich wurde zu irgendetwas inspiriert. Das sind keine Geschichten, die ich veröffentlichen möchte, sondern Fingerübungen, die meiner Muse zeigen sollen, dass sie gebraucht wird und daher so langsam aus dem Winterschlaf erwachen könnte. Und siehe da: Mit jedem Tag fällt es mir ein wenig leichter, mir etwas zu einem Foto oder einer anderen Vorgabe auszudenken.

Von Hand statt am Computer

Auch diesen Tipp liest man oft. Früher habe ich viel von Hand geschrieben, in den letzten Jahren wurde das Notizbuch aber zunehmend durch PC, Tablet und Smartphone ersetzt. Ist ja auch praktisch, wenn man von jedem Gerät aus auf den letzten Bearbeitungsstand zugreifen kann. Und ich brauche nicht zu rätseln, was zur Hölle mein Gekrakel heißen soll. Allerdings verbringe ich schon ohne das Schreiben enorm viel Zeit am Computer. Vielleicht fällt es meinem Hirn deshalb manchmal schwer, auf schreiben umzuschalten. Das ist zumindest meine Theorie. Daher habe ich mein Notizbuch entstaubt und mir einige leere Exemplare sowie verschiedenfarbige Tinte gekauft. Die erwähnten Schreibübungen absolviere ich auf Papier, und ich habe bei künftigen Romanen vor, selbiges zumindest mit der Rohfassung zu tun. Der Vorteil dabei ist, dass man jede gestrichene Formulierung, jede änderung noch nachvollziehen kann. Ja, ich weiß, es gibt auch entsprechende Funktionen in den gängigen Textverarbeitungsprogrammen, aber das ist für mich nicht dasselbe.

Ich habe das Gefühl, dass meine Geschichten viel besser fließen, wenn ich mit dem Füllfederhalter schreibe. Okay, ich denke manchmal schneller, als ich schreiben kann und habe dann hinterher eine Art Worträtsel vor mir, aber ich werde immer besser darin, meine eigene Handschrift zu entzifffern. Am PC fehlen in solchen Situationen ganze Wörter oder Halbsätze, was auch nicht viel besser ist. Meine eigenen Gedankensprünge Tage später noch nachzuvollziehen, ist nämlich ein Kunststück, das mir bedauerlicherweise nur selten gelingt.