Mit DramaQueen meine ich nicht jenes nervtötende Geschöpf, das hinter jeder Kleinigkeit eine Tragödie wittert und versucht, einen in den Wahnsinn zu treiben, sondern eine meiner Meinung nach sehr nützliche Software. Ich habe sie bereits in meiner Übersicht über Schreibprogramme für Autoren erwähnt. Heute möchte ich Dir zeigen, wie ich damit arbeite.

Die drei Textebenen bei DramaQueen

Ursprünglich wurde DramaQueen für Drehbuchautoren konzipiert, beinhaltet inzwischen aber auch ein Prosa-Modul. Beim Start kann man zwischen Prosa und Drehbuch sowie zwischen drei Textebenen wählen, Exposé, Konzept und Erzählung.

Wenn ich ein neues Projekt beginne, fange ich mit der Exposé-Ebene an. Hier wird die Handlung zunächst in Unterpunkten skizziert. Eine Unterteilung in Kapitel oder Szenen gibt es hier noch nicht. Daher eignet sich diese Ebene beispielsweise, um die Geschichte nach einem der vielen Plotmodelle wie der Heldenreise oder der Drei-Akt-Struktur zu entwickeln. Auf der Linken Seite in der „Outline“ stehen die einzelnen Punkte mit einer kurzen Überschrift oder Beschreibung, rechts daneben der „Text“. Die anderen Punkte in der Leiste oben blende ich zu diesem Zeitpunkt noch aus, wie werden erst bei der weiteren Ausarbeitung relevant.

Die nächste Ebene ist das Konzept. Hier wird die Geschichte bereits in Kapitel unterteilt und noch etwas genauer geplant als im Exposé. Auf dieser Ebene schreibe ich mir bereits einen groben Fahrplan, der umreißt, was in den einzelnen Kapiteln geschehen soll. Die Outline der vorigen Ebene kann ich dabei einfach übernehmen. Wahlweise können auch die Texte mit übertragen werden, was ich jedoch nicht tue, da ich jederzeit in der Leiste über dem Textfeld zwischen Exposé und Konzept wechseln kann. Außerdem ist es möglich, das Textfeld zu duplizieren, sodass ich das Exposé und das Konzept auch nebeneinander legen kann. (Dies ist allerdings nur in der Pro-Version möglich, in DramaQueen Free und DramaQueen plus können nicht mehrere Textebenen parallel bearbeitet werden, siehe Feature-Vergleich auf der Programm-Website.)

Jetzt fehlt nur noch die dritte Ebene, die Erzählung. Hier können die Kapitel in Unterkapitel unterteilt werden. Bei der Konzeption eines Romans bietet es sich an, jede Szene als Unterkapitel anzulegen. So können sie jederzeit an eine andere Stelle geschoben werden, wenn sich bei der Überarbeitung eine andere Reihenfolge als die ursprüngliche als sinniger erweist.

Das Layout der Erzählung kann individuell angepasst werden, eine Normseite ist als Formatvorlage hinterlegt. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Zwar kann man einstellen, dass die erste Zeile eines Absatzes eingerückt werden soll, es ist allerdings nicht möglich, diese Einrückung am Anfang eines Kapitels oder nach einer Leerzeile zu entfernen, leider auch nicht manuell. Hierzu muss man also auf Word, Libre Office oder eine andere Textverarbeitung ausweichen. 

Ideen, Figuren, Schauplätze, alles auf einem Blick

Wenn ich auf einen der Reiter in der oberen Leiste klicke, wird das entsprechende Feld eingeblendet, bei einem weiteren Klick verschwindet es wieder. So habe ich immer nur die Bereiche auf dem Bildschirm, die ich gerade brauche. Im Beispielbild unten habe ich alles abgesehen von den Ideen und den Figuren ausgeblendet. Diese einfache Übersicht war für mich einer der Hauptgründe für die Entscheidung für DramaQueen. Ich habe einen guten Überblick, der Bildschirm wirkt aber trotzdem nicht überladen.

Ebenfalls nützlich sind die „Anmerkungen“ zu den einzelnen Kapiteln und Unterkapiteln. Hier notiere ich etwa Hinweise zu noch nötigen Recherchen oder Überlegungen für eine spätere Überarbeitung. Im nächsten Bild habe ich die Anmerkungen neben den Text gelegt und alles andere ausgeblendet.

Markierungen in der Kapitelübersicht

Zum Schluss möchte ich noch meine Lieblingsfunktion zeigen. In mir steckt ein kleines Spielkind, und das ist total begeistert von den Markierungen, die ich in der Outline an die einzelnen Kapitel oder Unterkapitel pinnen kann. Die Funktion ist ganz leicht zu finden: Einfach mit der Maus auf das gewünschte Kapitel fahren, dann erscheint am rechten Rand ein Menüsymbol mit drei Strichen. Dort befinden sich unter anderem die Markierungen.

Die Symbole sind in drei Rubriken unterteilt: Unter „Überblick / Status“ kann ich Symbole für den Bearbeitungsstatus und für meine Bewertung des jeweiligen Abschnitts eingeben. Im Bild unten habe ich das ganze Kapitel als unfertig und verbesserungsfähig markiert, Kapitel 1.1 als fraglich und überarbeitungsbedürftig und Kapitel 1.2. als fertig und sehr gut.

Die zweite Kategorie heißt „Figurenemotion / -haltung“ und konzentriert sich auf die Gefühlslage der Protagonisten. Im Beispielbild habe ich von oben nach unten „erschrocken“, „weinend“ und „verliebt“ gewählt.

In der dritten Spalte stehen die Markierungen zum Thema „Dramaturgie / Ereignis“. Auf dem Bild seht ihr die Rakete für den Anfang, das Schild für den „Point of no return“ und den Blitz, der eine Konfliktsituation kennzeichnet.

 

Es gibt noch einige weitere Funktionen, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe. So ist es etwa möglich, die einzelnen Kapitel und Figuren verschiedenen Storylines zuzuweisen und diese grafisch darzustellen. Außerdem ist es möglich, Änderungen im Dokument nachzuverfolgen.

Kompatibilität mit anderen Programmen

Die Texte der einzelnen Ebenen (wahlweise mit oder ohne Anmerkungen), die Outline, die Beschreibungen der Figuren und Schauplätze und die Storylines lassen sich sich jeweils als Dokument in verschiedenen Formaten exportieren, darunter .doc und .docx und .rtf, die allesamt in Word sowie den kostenlosen Office-Programmen Open Office und Libre Office bearbeitet werden können. Auch ein Export als epub ist möglich.

Eine komplette Übersicht zu allen Features von DramaQueen findest Du hier: https://dramaqueen.info/features/

Nun hast Du hoffentlich einen guten ersten Eindruck vom Schreibprogramm meiner Wahl. Wenn es Dir zusagt, kannst Du eine kostenlose Testversion herunterladen, die alle drei Programmvarianten (Free, Plus und Pro) beinhaltet. Generell rate ich dazu, zunächst verschiedene Softwares zu testen, schließlich sind sie nicht gerade billig, und es wäre schade, eine Menge Geld auszugeben, um später festzustellen, dass es eine Fehlinvestition war. In der ganz oben im ersten Absatz verlinkten Übersicht findest Du noch weitere Schreibprogramme für Autoren.