Mit „kurz“ ist hier tatsächlich die Länge gemeint. Eine Weile hatte ich den Plan, einen Roman zu schreiben. Ich habe es sogar versucht, um mir selbst zu beweisen, dass ich es schaffe. Aber bei all meinen Ideen passiert mir dasselbe: Sobald ich versuche, sie in eine Romanhandlung umzuwandeln, tue ich mich schwer. Kurze Geschichten fallen mir immer ein, aber lange? Mein Kopf denkt ungern in längeren Plots. Vielleicht fehlt mir auch das Durchhaltevermögen, um 200 oder 300 Seiten zu schreiben. Das liegt aber daran, dass ich nun mal Ideen habe, die diese Länge nicht brauchen. Als Leserin nervt mich kaum etwas mehr, als wenn ich das Gefühl habe, eine Geschichte würde künstlich aufgebauscht und in die Länge gestreckt. Daher möchte ich das auch als Schreiberin nicht tun und habe daher beschlossen, vorerst bei den literarischen Kurzformen zu bleiben. Wer weiß, vielleicht wird sich eines Tages aus einer Kurzgeschichte ein Roman entwickelt, ich möchte nun nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass ich niemals einen schreiben werde. Aber ich setze mir nicht mehr als Ziel, eine Geschichte mit dreistelliger Seitenzahl aufs Papier zu bekommen.

Warum wollte ich überhaupt einen Roman schreiben?

Nicht, weil es schon immer mein großer Traum war wie bei vielen anderen Autoren. Ich liebe das schreiben, es begleitet mich schon viele Jahre meines Lebens, aber ich hatte nie die Ambition, einen Roman mit meinem Namen auf dem Cover in der Buchhandlung zu sehen. Wenn ich Freude beim Schreiben habe und vielleicht sogar noch eine Handvoll Menschen finde, die mögen, was von meinem Kopf durch meine Finger auf Papier oder in die Tastatur fließt, ist mir das genug. So war es immer, so ist es wieder und so sollte es immer sein.

Dazwischen liegt eine Phase des Haderns mit mir selbst und dem, was ich hier tue. Wenn man sich online in Autorenkreisen bewegt, stößt man auf die unterschiedlichsten Charaktere. Vom unkonventionellen Künstler bis zum stark am Markt orientierten Vollzeitautoren, der vom Schreiben leben möchte, ist alles dabei. Entsprechend vielfältig sind auch die Ansichten darüber, wann jemand als Autor gilt. Für manche genügt es, einen Text zu verfassen, ganz gleich, auf welchem Weg dieser veröffentlicht wird. Diese pragmatische Auffassung des Autorenbegriffs teile ich. Für manche zählen nur Bücher, die gegen Geld angeboten werden, wieder andere sehen nur Verlagsautoren als ernstnehmbar an. Das kann jeder sehen, wie er möchte. Ich versuche, mich davon nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen. Meist gelingt das gut, aber es gibt doch auch manchmal Aussagen, denen ich nicht nur mit einem Schulterzucken begegnen kann. Das gilt vor allem für Äußerungen, die Kurzgeschichten oder auch pauschal alle Texte, die als Hobby geschrieben und nur online veröffentlicht werden als wertlos abtun. Es fällt mir schwer, mich davon nicht berühren zu lassen. Leise, aber unüberhörbar flüstert es dann in meinem Kopf: „Was Du machst ist wertlos.“

Diesen Gedanken hatte ich schon oft in verschiedenen Bereichen meines Lebens und ich arbeite immer noch daran, ihn abzuschütteln. Viel zu oft habe ich Dinge getan, die mir eigentlich nicht lagen, weil ich dachte, ich müsste anderen beweisen, dass ich etwas leisten kann, das Anerkennung verdient. Leider ist mir das meist nicht bewusst, ich erkenne es erst später. Daher habe ich mich auch eine Weile auf den Gedanken an einen Roman versteift. Ich habe mir eingeredet, dass ich das auch wirklich möchte. Das war aber ein Trugschluss. Was ich wirklich will, ist ganz frei so zu schreiben, wie es mir in den Kopf springt. Es ist nicht wichtig, welchen Wert andere dem zumessen, was ich tue. Was zählt, ist dass ich selbst damit zufrieden bin. Es gibt wenige, aber treue Leser, die meine kurzen Texte mögen. Sie sind es, für die ich schreibe. An diejenigen, die von oben auf jemanden wie mich hinabsehen, sollte ich keinen Gedanken verschwenden.

Was ich an Kurzgeschichten mag

Obgleich in meinen Blogartikeln manchmal ausschweifend werde, würde ich meinen Schreibstil bei Geschichten eher als knapp bezeichnen. Ich halte mich ungern mit vielen Details auf und stürze mich lieber direkt ins Geschehen. Bei einer Kurzgeschichte geht es darum, die Handlung auf das Wesentliche zu verdichten. Es geht weniger um langsame Entwicklungen, vielmehr steht eine konkrete Situation im Mittelpunkt. Was davor oder danach geschah, spielt keine Rolle oder wird nur grob angerissen. Die Kurzgeschichte hat weniger Raum als der Roman und ist entsprechend knapper geschrieben. Genau das liegt mir. Auch als Leserin merke ich, dass mich kurze Geschichten oft viel mehr begeistern können als dicke Romane. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber vieles ist mir zu lang erzählt. So geht es mir auch bei meinen eigenen Texten, wenn ich versuche, sie zu einer Romanhandlung auszuarbeiten.

Nicht jeder, der gerne schreibt, ist dafür gemacht, einen Roman zu verfassen. Bevor ich mich zu etwas zwinge, das mir nicht wirklich entspricht, bleibe ich doch lieber in meine Nische, schreibe kurze Texte und Blogartikel, veröffentliche sie auf meinen Websites und halte mich fern von dem ganzen Stress und Konkurrenzdruck, der auf dem Buchmarkt herrscht.

Ich bin Hobby-Autorin

Das meine ich nicht abwertend, da der Begriff nichts über die Qualität meiner Texte aussagt, sondern nur darüber, auf welchem Weg ich meine Geschichten teile. Hobby-Autorin zu sein bedeutet für mich, nur zu meinem und eurem Vergnügen zu schreiben und nicht mit dem Gedanken, damit Geld zu verdienen. Mehr will ich gar nicht, dazu stehe ich, daher habe ich den Begriff nun auch ganz oben auf meiner Website integriert. Ich schreibe, weil ich Freude daran habe und anderen eine Freude damit machen oder sie zum Nachdenken anreden möchte. Das genügt mir, das macht mich glücklich. Darauf und auf nichts sonst kommt es mir beim Schreiben an.