Du denkst nicht, aber du sprichst. Laut, energisch. Sagst anderen, was sie falsch machen, ohne zu wissen, was richtig ist. Ohne zu überlegen. Ohne zu hinterfragen. Du glaubst, Du weißt Bescheid, denn Du hast irgendetwas irgendwann irgendwo gehört. Darauf gründest Du Deine Meinung. Beanspruchst universale Geltung. Glaubst, Du seist klüger als jene, die Wissen aus mehr als nur einer Quelle beziehen.

Deine Ratschläge verteilst Du gerne. Vorzugsweise an jene, die sich nicht dafür interessieren, weil sie erkennen, wie kleingeistig Du bist. Dass Dein Leben so fad ist, dass Du Dich in das anderer einmischen musst, um der Leere zu entkommen. Weil Du sie nicht ertragen kannst. Weil Du Dich sonst mit sinnvollen Dingen beschäftigen müsstest, was schwierig wird, wenn man keine kennt.

Du weißt, wie die Welt zu funktionieren hat. Wie ein Garten aussehen muss, ein Haus, eine Beziehung, ein Leben. Du erwartest, dass alle sich dem unterordnen, damit Deine kleine, armselige Welt stimmig ist, harmonisch und durch keinen falschen Ton gestört.

Deshalb erträgst Du mich nicht. Weil ich ein Missklang bin, mir von Dir nichts sagen lasse, mein Leben nicht in Dein Schema presse. Du beschwerst Dich bei anderen, die genauso verbohrt und engstirnig sind wie Du. Und genauso unzufrieden.

Womöglich ist es das, was Dich stört: Dass ich nicht in deinen Rahmen passe und es mir dennoch besser geht als Dir. In Deinem Gesicht habe ich noch nie ein Lächeln gesehen. Vielleicht, weil Du Dich nicht für authentische Menschen, sondern nur für funktionierende Stereotype interessiert und Dich zu sehr an Dein Idealbild klammerst. Würdest Du es aufgeben, könntest Du erkennen, wie unwichtig die Nichtigkeiten sind, an die Du Deine Worte und Gedanken vergeudest. Doch diese Erkenntnis bleibt Dir verschlossen.

Du tust mir leid.